Zitat zu “Konflikte der Weltreligionen”

Auf die Frage, ob es einen Konflikt zwischen den buddhistischen Lehren und der westlichen Vorstellung eines Schöpfergottes gäbe, gab seine Heiligkeit 1981 in Bodhgaya folgende Antwort:

Wenn wir die Weltreligionen von einem ganz allgemeinen Standpunkt aus betrachten und ihre höchsten Ziele untersuchen, so werden wir feststellen, dass alle größeren Weltreligionen, egal ob Christentum oder Islam, Hinduismus oder Buddhismus, einen dauerhaften Zustand des Glücks anstreben. […] ein wirklich religöser Mensch sollte immer danach streben, ein besserer Mensch zu werden. Die unterschiedlichen Weltreligionen vertreten nun unterschiedliche Lehren, die uns bei der Veränderung helfen sollen.

Unter diesem Aspekt betrachtet, sind alle Religionen gleich, es existiert kein Konflikt zwischen ihnen. Dies sollten wir betonen. Wir müssen die Frage nach den religösen Unterschieden von diesem Standpunkt aus beurteilen. Wenn wir dies tun, so werden wir keinen Unterschied finden können.

Von einem philosophischen Standpunkt aus betrachtet, steht die Theorie eines Schöpfergottes, der allmächtig und ewig ist, in Wiederspruch zu den Lehren des Buddhismus.

[…] Für bestimmte Menschen ist die Vorstellung eines Schöpfergottes, von dessen Willen alles abhängt, sinnvoll und gut; für solche Menschen ist diese Lehre wertvoll. Für andere ist die Vorstellung, dass es keinen Schöpfer gibt, sondern man letztlich selber Schöpfer ist - alles hängt von einem selbst ab -, viel besser geeignet. […] Sehen Sie, es gibt keinen Konflikt, kein Problem. Dies ist meine Überzeugung.

Quelle: Dalai Lama, Der Tibetanische Buddhismus und der Westen (das Gespräch im Jahr 1981)

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